Eine Ko-Produktion von Ulla Rhan und Heide Sachter
In unserer modernen westlichen Gesellschaft gibt es so gut wie keine Tabus mehr – auch und gerade im Hinblick auf den menschlichen Körper. Kaum eine Pose, kaum ein Akt, der noch nicht öffentlich gezeigt oder beschrieben wurde. Doch es gibt Dinge, zu denen wir bei aller Modernität und Offenheit auch heute noch ein ziemlich ambivalentes Verhältnis haben. Brustkrebs ist so ein Thema. Zwar listet Google eine ganze Flut von Internetseiten zu dem Stichwort auf. Und natürlich wird darüber gesprochen, wenn eine Frau selbst betroffen ist oder im Familien- oder Freundeskreis ein konkreter Fall auftritt. Doch wann immer die Krankheit zur Sprache kommt, wird ein deutliches Unbehagen spürbar. Ja, schon, wir können darüber reden. Aber an die große Glocke hängen möchten wir das Thema nicht.
Laut Bundesgesundheitsbericht 2005 ist Brustkrebs die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen. Allein in unserem Land gibt es schätzungsweise 47.500 Neuerkrankungen pro Jahr. Durchschnittlich jede elfte Frau ist im Lauf ihres Lebens von dieser Krebsart betroffen. Immer seltener wird die Brust amputiert, aber immer noch häufig genug.
Wo sind diese Frauen?
Wer sind diese Frauen?
Mit unserem Projekt wollen wir uns dem Thema Brustkrebs entsprechend unserer beruflichen Ausrichtung nähern - Heide Sachter künstlerisch-visuell und ich selbst literarisch. Dabei geht es uns darum, uns der mit der Krankheit verbundenen Tabugrenze zu nähern und eine innere Auseinandersetzung mit dem Thema zu bewirken. Ein ergänzender wissenschaftlicher Beitrag soll unsere Darstellung aus dem Bereich des Persönlich-Subjektiven erheben und der Arbeit eine allgemeingültige Basis geben.
Mein Interesse ...
... am Thema Brustkrebs ist ein sehr persönliches. 1993 wurde bei mir ein Tumor in der rechten Brust diagnostiziert: Amputation, Chemotherapie, Bestrahlungen, emotionale Achterbahnfahrt. So schmerzlich diese Zeit für mich war, konnte ich die durch die Operation entstandene freifläche doch als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung sehen und nutzen. Es ist mir gelungen, offen mit der neuen Un-Vollkommenheit meines Körpers umzugehen. Schreck und Schmerz fanden ein Ventil im Galgenhumor. Aus langen Gesprächen mit Weggefährtinnen weiß ich, dass dies nur eine unter vielen Möglichkeiten ist, mit einer solchen Situation umzugehen. So unterschiedlich die Frauen sind, so unterschiedlich ist ihre Reaktion auf die Krankheit.